Die vielen Störchen im Werratal und ihr „Herr der Ringe“

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„Es gab noch nie so viele Störche im Werratal wie heute“, sagt Klaus Schmidt, der Storchenbeauftragte des Landes Thüringen aus Barchfeld. Jedenfalls nicht seit dem Beginn der Storchenregistrierung in den 1930er Jahren. Die TLZ war dabei, wie der „Herr der Ringe“ die Adebare beringt.
 
Experte Klaus Schmidt beringt die vier Jungstörche im Nest vom Stiftsgut Wilhelmsglücksbrunn. Alle Nachkommen der Altvögel Dexter und Clara haben in diesem Jahr überlebt, was die Storchenfreunde freut. Foto: Veronika Köllner
Experte Klaus Schmidt beringt die vier Jungstörche im Nest vom Stiftsgut Wilhelmsglücksbrunn. Alle Nachkommen der Altvögel Dexter und Clara haben in diesem Jahr überlebt, was die Storchenfreunde freut. Foto: Veronika Köllner 
 
Creuzburg. Am Dienstag (3. Juni 2015) begann der Experte im Stiftsgut Wilhelmsglücksbrunn mit der Beringung der ersten Störche im Werratal. Sie sind etwa einen Monat alt. Vier Jungstörche bekamen im Nest den Plastikring. Ob linkes oder rechts Bein spielt dabei keine Rolle. Alle Nachkommen von Dexter und Clara haben überlebt, freut sich auch Helmut Diezel , der sich seit Jahren um dieses Nest kümmert, die Störche regelmäßig im Auge hat, fotografiert und filmt und sogar eine Internetseite über die Störche in Wilhelmsglücksbrunn betreibt.
 
Er hält fast alle wichtigen Aktivitäten mit der Kamera fest, auch den Angriff eines feindlichen Storches auf das Nest vor zwei Tagen. Dexter schlug den unberingten Angreifer aber in die Flucht, weiß Dietzel.
 
Auch im Vorjahr hatten Clara und Dexter vier Eier ausgebrütet, nur drei Junge kamen da aber durch. In diesem Jahr ist das Resultat optimal. Das Storchenpaar bekommt von Jahr zu Jahr mehr Nachwuchs. Angefangen hatte es 2010 mit einem Storch.
 
Anders als diesmal in Gerstungen , wo die Storchenfreunde Mitte Mai traurig feststellen mussten, dass alle vier Jungstörche aus dem kameraüberwachten Nest auf dem Schloss verschwunden sind. Das Phänomen dabei ist, dass keiner der toten Jungstörche gefunden wurde. „Normalerweise werfen die Alten die toten Nachkommen aus dem Nest“, weiß Helmut Dietzel . Gefunden wurde aber kein einziger der Gerstunger Jungstörche, was alle Experten verblüfft und Rätsel aufgibt.
 
19 der insgesamt 20 Storchennester im Werratal (auch einige in Hessen zählen in dieses Gebiet) sind derzeit laut Klaus Schmidt besetzt. 18 davon wurden von Menschenhand geschaffen, zwei Nester haben sich die Vögel selbst angelegt. Nun beginnt Klaus Schmidt mit der Beringung der meisten Tiere.
 
Gestern nahm er noch das Nest in Lauchröden unter die Lupe. Ob es dort Jungstörche gab oder gibt, ist noch unbekannt. Ein Storch aus diesem Nest war unlängst in eine Hochspannungsleitung bei Neustädt geflogen und wurde dabei getötet.
 
Beringen will Klaus Schmidt auch die Störche im Nest auf der ehemaligen Brauerei in Berka/Werra. Auch diese Aktion gelingt mit einem Hubwagen der Firma Lindig , die die Beringung der Störche in der Region seit Jahren unterstützt und die Hubtechnik samt Personal kostenfrei zur Verfügung stellt.
 
Abstand nimmt der Experte jedoch von der Beringung der Jungstörche auf dem Schornstein der ehemaligen Molkerei in Berka . Der Schornstein ist mit 43 Metern einer der höchsten weit und breit. Das Wagnis wolle Klaus Schmidt nicht eingehen, auch wenn Lindigs Hubtechnik bis zu 45 Meter Höhe ausfahrbar ist. Schon einmal hat der Storchenbeauftragte eine brenzlige Situation auf dem Gerstunger Schloss erlebt, wo das Nest wegen der lockeren Bodenplatte beim Beringen fast abgestützt wäre.
 
Seit 1966 beringt Klaus Schmidt Störche im Werratal. Er hat also reichlich Erfahrung und weiß, was zu tun und zu lassen ist. Die Fahrt hinauf zum Nest unternimmt er nicht ohne Schutzhandschuhe. Er hat die kräftigen Schnäbel der Tiere schon zu spüren bekommen, erzählt er. Es ist der Zeitpunkt, der entscheidet, ob er bei der Beringung eventuell auf Widerstand stößt. Wenn der Storchennachwuchs noch jung genug ist, stellt er sich im Nest tot und kann mühelos beringt werden. Die Altstörche merkten schnell, dass sie gegen den menschlichen Eingriff nichts ausrichten können und suchen vorübergehend das Weite. Das Beringen ist übrigens im Handumdrehen getan.
 
Quelle: www.tlz.de, Bericht von Jensen Zlotowicz / 04.06.15 / TLZ

Bericht eingestellt von Markus Ludwig (admin) am 17.06.2015
letzte Änderung am: 17.06.2015 um 08:00 zurück


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