Geburtsstunde des Naturparks Eichsfeld-Hainich-Werratal vor 25 Jahren

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Fürstenhagen. Für Johannes Hager – er ist seit vielen Jahren Leiter der Naturparkverwaltung in Fürstenhagen – ist 1990 ein äußerst denkwürdiges Jahr. Denn für den promovierten Biologen wurde damals alles anders. Und auch für das Gelände des alten Bahnhofes in der kleinen Eichsfeldgemeinde.
 
In seinem Archiv hat Hager ein ganz besonderes Schriftstück. Es datiert auf den 16. März 1990 und ist der „Beschluss zur vorgesehenen Einführung von Biosphärenreservaten, Naturparks und Naturschutzparks in der DDR.“ Gezeichnet von Hans Modrow, dem letzten Vorsitzenden des Ministerrates der DDR. „Und ganz unten“, sagt Hager lachend, „steht, dass dieser Beschluss nach Realisierung zu vernichten ist.“ Aber beiliegend gab es eine Karte, in der der heutige Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal fast vollständig eingezeichnet ist – nur ohne den Hainich. „Da war der Truppenübungsplatz. An den wagte sich zu dieser Zeit noch keiner heran“, meint Hager. Doch im Ganzen gesehen, sei es damals ein Coup gewesen, den es so schnell nicht mehr geben werde.
 
Es wurde sich sofort an die Umsetzung gemacht, um von der Schorfheide über die Müritz bis ins Werratal Gebiete für den Naturschutz zu sichern. Und das wurde in den Einigungsvertrag aufgenommen. „Es ist die Geburtsstunde unseres Naturparkes“, sagt Johannes Hager. Der erste Schritt war die sofortige Ausweisung der Parks.
 
In der Dominikanischen Republik gearbeitet
 
Der damalige Revierförster Hubertus Sperling aus Erfurt wurde im Laufe der nächsten Wochen und Monate damit beauftragt, einen Verwaltungssitz zu finden. „Er bekam Geld in die Hand gedrückt und sollte suchen. Fündig wurde er am Bahnhof Fürstenhagen und kaufte der Bahn kurzerhand das Gebäude ab.“ Das war 1991. Der Naturpark war bereits ausgewiesen. Und 1992 begann die erste Sanierung des Bahnhofes.
 
Nun brauchte es aber einen Naturparkleiter. Johannes Hager arbeitete damals in Santo Domingo in der Dominikanischen Republik und baute Naturparks auf der Karibikinsel auf. Ein Freund erfuhr von der Ausschreibung, schickte ihm ein Fax – die herausgerissene Seite aus dem Staatsanzeiger – und schrieb nur lapidar darauf: „Bewirb dich!“ Das tat Hager.
 
Und eines nachts halb fünf klingelte sein Telefon. „An Zeitverschiebung hatte damals niemand nur einen Gedanken verschwendet.“ Er wurde für ein Vorstellungsgespräch eingeladen – am nächsten Tag. Hager erklärte geduldig, wo er sich gerade aufhielt. Dann klappe das wohl nicht, wurde ihm gesagt. Aber er solle sich mal bereithalten. Und ein halbes Jahr später kam wieder ein Anruf. „Hätten Sie noch Interesse?“, lautete die Frage. Hager hatte.
 
Er flog nach Deutschland und bekam den Zuschlag. Zurück in Santo Domingo wartete er auf den Arbeitsvertrag. Wenig später bekam er einen Anruf aus einem Autohaus der Zwei-Millionen-Stadt auf der Insel. Eine pfiffige Sekretärin hatte ein Fax bekommen, das an Hager adressiert war, aber es gab wohl einen Zahlendreher. Doch die Dame hatte erst einen Tag zuvor über Hager in der örtlichen Zeitung gelesen und ihn ausfindig gemacht. „Sie faxte mir dann meinen Arbeitsvertrag. Das muss man sich mal vorstellen...“, muss Hager immer noch schmunzeln.
 
In Erfurt angekommen, hieß es nur zum Thema Naturpark: „Machen Sie was draus!“ Und das nahm sich Hager zu Herzen. 1994 bis 1995 sanierte er den maroden Turm, der eigentlich abgerissen werden sollte. Hager sorgte für Denkmalschutz und damit für den Erhalt sowie die Mittel. Er brauchte Räume für Ausstellungen. Mit einem Mann begann die Sacharbeit. Heute sind es 13 Mitarbeiter in der Verwaltung. 180 Naturparkführer sind in den vergangenen fast 20 Jahren ausgebildet worden, etwa 200 junge Menschen haben hier bereits ein Praktikum absolviert. 6000 Schüler kommen pro Jahr, um sich im Park weiterzubilden, etwas über den Lebensraum Natur in Thüringen zu erfahren.“ Zu schaffen mache aber der Wegfall des Zivildienstes, denn weitere Stellen sind nicht geplant. Doch Hager braucht mindestens einen Pädagogen zusätzlich, damit die Bildungsarbeit in bisheriger Qualität aufrechterhalten werden kann.
 
Zwar könne man auf einen Pool von rund 40 Ehrenamtlichen zurückgreifen, aber die hätten ja auch nicht immer Zeit, sagt Hager. Dieses Wochenende wird gefeiert. Heute treffen sich rund 100 ehemalige Praktikanten; morgen wird zum Naturparkfest ab 13 Uhr nach Fürstenhagen geladen. „Wir werden ja schließlich 25 Jahre alt!“
 
Quelle: www.thueringer-allgemeine.de, Bericht von Silvana Tismer / 16.05.15 / TA

Bericht eingestellt von Markus Ludwig (admin) am 17.06.2015
letzte Änderung am: 17.06.2015 um 07:36 zurück


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