Im Mihlaer Museum rücken die Römer vor und es verliert Napoleon

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Mihla (Wartburgkreis). Der Ortschronist Rainer Lämmerhirt stellt Ereignisse aus der Region anschaulich dar und schafft den Sprung bis Waterloo.
 
Einiges Fingerspitzengefühl legt Rainer Lämmerhirt an den Tag,
 wenn er die vielen winzigen Figuren platziert. Am Detail wird noch lange nach dem ersten Aufbau gefeilt. Schrifttafeln erläutern das Geschehen. Foto: Heiko Kleinschmidt
Einiges Fingerspitzengefühl legt Rainer Lämmerhirt an den Tag, wenn er die vielen winzigen Figuren platziert. Am Detail wird noch lange nach dem ersten Aufbau gefeilt. Schrifttafeln erläutern das Geschehen. Foto: Heiko Kleinschmidt
 
Dass die Schlacht bei Waterloo im Heimatmuseum der Gemeinde einen großen Platz einnimmt, hat einen besonderen Grund: Mitten im Schlachtgetümmel bewährte sich tapfer im Freiheitskampf der Frankenrodaer Einwohner Theophil Weber.
 
Er war dabei, als französische Linieninfanterie das Zentrum der britischen Verteidigung, den Pachthof La Haye Saint, angriffen. Und so steht Theophil Weber mit gezogenem Säbel am Gebäude und stellt sich den gegnerischen Truppen entgegen.
 
Frankenrodaer kämpfte mit
 
Der Frankenrodaer überlebte den Kampf. Zu sehen ist er als kleine Figur auf einem von mehreren Dioramen, die Mihlas Bürgermeister und Ortschronist Rainer Lämmerhirt im Museum aufbaute, mit vielen Figuren ausstattete und auch noch mit den entsprechenden Landschaften versah.
 
Dioramen sind plastische Schaubilder und eine Leidenschaft des Historikers, der seine Freizeitbeschäftigung mit einem Geschichtsstudium in Jena untermauern kann. Dass die Lämmerhirtschen Dioramen dereinst Platz im Museum einnehmen, das war anfangs nicht so geplant. Und so wanderte die Schlacht bei Waterloo mit den 650 Figuren und 22 Kanonen immer wieder in Kartons.
 
Die Figuren werden vorgefertigt gekauft, sind aus Plastematerial gefertigt und farblos vorgegeben. "Natürlich müssen die Figuren in die jeweilige Zeit passen. Da gibt es ein großes Angebot. Vieles konnte ich über das Internetauktionshaus Ebay beschaffen", gibt Rainer Lämmerhirt Einblick in sein Hobby.
 
Unter Lupe und mit Pinsel Figuren bemalen
 
Vier Dioramen von ihm gibt es bisher im Mihlaer Heimatmuseum, das im sanierten Rathaus in mehreren Räumen ein großzügiges Unterkommen fand. Neben der Schlacht bei Waterloo sind das noch die Römer im Werratal im Jahr 8 vor Christus, die Belagerung der Kemenate vom "Grauen Schloss" während des sächsischen Bruderkrieges und eine Darstellung aus dem Siebenjährigen Krieg der Preußen gegen Österreich (1756-1763). Da gehörte Mihla zu den Rückzugsgebieten der Truppen.
 
Größtes Weltereignis im Museum ist natürlich die Waterloo-Schlacht. Verschiedene Szenen aus dem Geschehen sind nachgestellt. So kann der Zuschauer miterleben, wie die preußischen Husaren und Ulanen die Junge Garde attackieren. Außerdem: Wie die preußischen Truppen des IV. Korps unter General Bülow den rechten französischen Flügel angreifen, als die Entscheidung der historischen Schlacht naht.
 
Die Gestaltung von Dioramen erfordert neben der Geduld und dem Fingerspitzengefühl auch sehr viel Zeit. "Es muss umfangreich das historische Geschehen erkundet werden. Wichtig ist in Erfahrung zu bringen, welche Einheit wo kämpfte", erläutert Rainer Lämmerhirt sein Vorgehen. Erst dann ist es möglich, unter der Lupe und mit dem Pinsel die richtigen Farben für die Uniformen auf die Minisoldaten zu bringen.
 
"Zehn Figuren bilden eine Einheit und sind gleich gestaltet. Das ermöglicht eine kleine Serienmalerei. Sonst würde man ja nie fertig werden", gibt Lämmerhirt weiter kund und räumt ein, dass seine Ehefrau da sehr viel Verständnis zeigt. Besonders dann, wenn im Urlaub die Figuren weiter bemalt werden. "Das kann auch schön entspannend sein", verrät der Ortschronist.
 
Immer wieder wurden die Figuren in Kartons gelagert, bis schließlich das Museum Platz fürs Aufstellen bot. Bei der Landschaftsgestaltung helfen Zubehörteile aus dem Modellbahnhandel. Die Waterloo-Schlacht war nicht nur die größte Darstellung, mit ihr machte Rainer Lämmerhirt auch den Anfang. Erst stand das Diorama ohne Glasrahmen im Museum, doch die Kinder spielten gern mit den Figuren. So kam schließlich das schützende Glas hinzu.
 
Jetzt bleibt für neue Dioramen keine Zeit mehr. Lehrerberuf und Bürgermeisteramt fordern Rainer Lämmerhirt umfangreich. Übrigens: Dass die Römer dereinst auch im Werratal anzutreffen waren, ist noch nicht so lange bekannt. Archäologische Ausgrabungen im Jahr 1998 oberhalb der Werragemeinde Hedemünden im Landkreis Göttingen haben die Reste von drei befestigten Römerlagern zu Tage gefördert. Weitere Ausgrabungen brachten Waffen, Äxte und Münzen zum Vorschein. Sie belegen, dass rechts der Werra - nur 35 Kilometer von Mihla entfernt - in der Zeit der Drusus-Feldzüge gegen die Germanen um das Jahr 9 vor Christus römische Legionen an dieser Stelle die Werra überschritten und feste Nachschublager anlegten.
 
Mihla war dereinst eine germanische Altsiedlung. Rainer Lämmerhirt vermutet, dass der Rückzug von der Elbe südlich der Trasse der heutigen Bundesstraße B"7 und dann an der Werra entlang führte. So ist es durchaus möglich, dass die Mihlaer Vorfahren mehrfach mit römischen Legionären in Kontakt gekommen sind.
 
Quelle: www.eisenach.thueringer-allgemeine.de, Bericht von Heiko Kleinschmidt / 07.01.15 / TA

Bericht eingestellt von Markus Ludwig (admin) am 08.01.2015
letzte Änderung am: 08.01.2015 um 12:59 zurück


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