Werratalverein Zweigverein Hann. Münden e.V.
Dicke Freunde in Heiligenstadt
Prof. Constantin Councler, Ordinarius für Chemie, Geologie und Mineralogie an der 1868 gegründeten Forstakademie Münden wandte sich mit nachfolgender „Aufforderung zum Eintritt in den Werratal-Verein“, veröffentlicht in den „Mündenschen Nachrichten“ am 06. Mai 1891, an die Mündener Bevölkerung:
„Indem gewaltigen Konkurrenzkampfe unserer Zeit muss jeder sich rühren und arbeiten mit Hochdruck und überhitztem Dampf, sonst kommt er unter den Schlitten, wie man zu sagen pflegt. Dies gilt von dem Einzelnen, dies gilt von dem ganzen Gemeinwesen. Unsere liebe Stadt Münden hat sich nun in vieler Beziehung Mühe gegeben, um fortzuschreiben und demjenigen etwas Gutes zu bieten, der darin verweilt. Aber obwohl mit einer schönen Umgebung und anderen Vorzügen gesegnet, hat Münden bis heute noch entfernt nicht den großen Fremdenverkehr aufzuweisen, welchen es verdient. Man weiß z.B. im großen deutschen Vaterlande gar nicht, wie schön Münden ist und was hier geboten wird. Ich meine, es wäre nützlich, wenn die Aufmerksamkeit in weiteren Kreisen auf Münden gelenkt würde. Unter den Mitteln hierzu scheint mir eines besonders beachtenswert. Seit einigen Jahren entfaltet der Werratal-Verein eine ungemein rege Tätigkeit, um den Besuch des Stromgebietes der unteren Werra durch Wegeverbesserung, Herstellung von Aussichtspunkten usw. zu erleichtern und annehmlicher zu machen, sowie durch Wort und Schrift das Interesse für die Gegend anzuregen und aufrecht zu erhalten.
Während sonst in den Hauptorten an der unteren Werra sich Zweigvereine zu diesem Zweck gebildet haben, existiert eine „Section Münden“ bisher noch nicht, es sind nur zwei Mitglieder des Werratal-Vereins vorhanden, während mindestens 15 Mitglieder zur Gründung des Zweigvereins gehören. Ich möchte nun bitten, …“ C. Councler
Leider lässt sich das genaue Gründungsdatum nicht mehr ermitteln, doch in den „Mündenschen Nachrichten“ vom 22. Juni 1891 heißt es: „Wie wohl den meisten Lesern bekannt sein dürfte, wurde vor einiger Zeit auf Anregung von Herrn Prof. Councler hier ein Werratal-Zweigverein ins Leben gerufen. …“
Aus der Reihe der Vorsitzenden in den Folgejahren bis heute wurde der Zigarrenfabrikant Karl Fuhrmann in den 1920er Jahren Vorsitzender des Mündener Zweigvereins und Erbauer der Münderner Jugendherberge, durch einen vom WTV im Jahre 1927 errichteten Gedenkstein geehrt. Der „Fuhrmannstein“ steht vor einer Schutzhütte an der Kohlenstraße beim Abzweig zum Wildgehege und zur Waldgaststätte „Rinderstall“.
1933 kam das Vereinsleben zum Erliegen. …erst acht Jahre nach Kriegsende kam es am 15.04.1953 zu einer Neugründung des Zweigvereins Münden mit 27 Mitgliedern. Vorsitzender wurde anlässlich der Wiedergründung Oberkonsistorialrat Meyer. Der Wanderplan für 1953 wies vier Wanderungen aus. Im Laufe der Jahre hat sich unser Wanderprogramm signifikant verändert: Um das Jahr 1970 gab es jährlich 14 Wanderungen. Noch 1987 weist das Wanderprogramm 16 Wanderungen aus, wegen des Deutschen Wandertages im Werraland kamen allerdings in der Veranstaltungswoche noch etwa zwölf Wanderungen, Schiffs- und Busfahrten hinzu. Am Wandertagssamstag verließen 600 Wanderer Hann. Münden auf dem größten Schaufelraddampfer der Oberweserdampfschifffahrtsgesellschaft ab dem Weserstein Münden, um von Aussteigestellen in Reinhardshagen, Bursfelde, Gieselwerder und Lippoldsberg aus in alle Richtungen zu wandern oder in Bussen bekannte Sehenswürdigkeiten im Umland zu besuchen.
Jährlich gibt es neben den zweimal im Monat stattfindenden Sonntagswanderungen und den dreimal monatlichen Dienstagswanderungen, von denen seit vier Jahren eine über mehr als 20 Kilometer geht, eine acht- bis zehntägige und bis zu zwei- bis dreitägige Wanderreisen.

Da der Harz fast vor unserer Haustür liegt, fand eine Serie von sieben Wochenendfahrten mit Quartier in der Jugendherberge Torfhaus statt. Die DDR-Grenze verlief nah hinter unserer Unterkunft und manch sehnsüchtiger Blick ging darüber hinweg auf den Brocken. Nach der Grenzöffnung konnte jeweils eine Wanderung im West- und Ostharz durchgeführt werden, was anfangs besonders spannend war. Natürlich ging es nun auch auf den Brocken.

Der Hexenstieg von Osterode bis Thale mit seinen südlichen Varianten und auch der Karstwanderweg von Förste bei Osterode über Nordhausen bis zum Kyffhäuser wurden in mehreren Etappen erwandert. Unsere etwas längeren Reisen führten uns nach der Wende häufig in die neuen Bundesländer, weil wir neugierig waren auf alles, was hinter dem Eisernen Vorhang versteckt war. Wir wanderten im Spreewald, in der Sächsischen Schweiz, im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft mit Quartier in Prerow und an der Müritz.
Einige Male zog es uns auch ins Ausland. Legendär ist die Reise nach Bornholm in den 1980er Jahren, von der noch heute begeistert erzählt wird. Aber schön war es auch am Lago Maggiore, im Värmland in Schweden und nicht zuletzt auf unserer Reise nah Polen, wo wir Masuren und die polnische Ostseeküste mit dem herausragenden Danzig erkundeten.
Nach der Wende, am 31. Dezember 1989, wurden beim Stadtfest in Heiligenstadt eine Handvoll Wanderprogramme verteilt mit der Einladung, zu uns nach Hann. Münden zu kommen und mit uns zu wandern. Irgendwann kam ein Anruf aus Heiligenstadt, eine Gruppe Wanderer wollte an unserer Kartoffelfeuerwanderung am 30. September teilnehmen. Es war spannend! Mit qualmenden Trabbis kurvten unsere Gäste am Morgen auf den Parkplatz an der Blume, von wo unsere Wanderung starten sollte. Nach einer herzlichen Begrüßung ging es über den 13-Brücken-Weg, Höltystein, Hedwigs-Eiche zum Grillplatz oberhalb Mielenhausen, wo fleißige Hände alles vorbereitet hatten. Wir verstanden uns schnell gut und es erfolgte eine Gegeneinladung nach Thüringen. Es begann eine Reihe jährlicher Treffen, zum Tag der Deutschen Einheit oder zum Erntedankfest, die noch heute stattfinden. Inzwischen besteht die Partnerschaft zwischen uns und den „Heiligenstädter Wanderfreunden“ schon 18 Jahre.
Gottfried W. Kook vom ZV Hann. Münden
Weserstein bei Hann. Münden