Werratalverein Zweigverein Wanfried
Am Rosenmontag fällt Wandern aus
Im Vorwort zur Festschrift „100 Jahre Werratalverein 1883 – 1983“ beschreibt der Vorsitzende Ernst Holzapfel den am 16.12.1883 gegründeten Werratalverein, Zweigverein Wanfried, als einen der ältesten Heimatvereine. Aufgaben und Ziele waren die Unterstützung heimatkundlicher Arbeit und Forschung, die Förderung von Naturschutz und Landschaftspflege, die Erschließung und Betreuung von Wanderwegen, ihre Markierung und -soweit möglich-, ihre Unterhaltung, die Planung und Durchführung von Wanderungen, Fahrten und sonstigen kulturellen Veranstaltungen.
Den Schwerpunkt setzte Ernst Holzapfel aufgrund der herrlichen Landschaft auf das Wandern, welches kein „zurück zur Natur, sondern ein vorwärts hin zur Natur darstellt“. So lassen sich die Anfänge des Vereins auf den 07.03.1883 datieren, wo in Eschwege ein Komitee zur Bildung eines naturverbundenen Heimatvereins gebildet wurde. Bereits am 10.06.1883 gründete Prof. Dr. Bernhard Pontani in Eschwege den Werratalverein. Auf Betreiben des damaligen Bürgermeisters Oscar Tellgmann wurde am 16.12.1883 die Sektion Wanfried ins Leben gerufen. Die 60 Mitglieder wählten als Vorstand: Oberförster Mittelacker, Bürgermeister O. Tellgmann, Fabrikant W. Zumben und Mühlenbesitzer H. Trieloff.
Die überwiegende Arbeit bestand in der Bezeichnung vorhandener Wanderwege, der Fußweg zur Plesse wurde angelegt. Beliebte Wanderziele waren der Hülfensberg, die Plesse und der Heldrastein. Am 27.05.1890 wurde der von Konsul Carl von Scharfenberg aus eigenen Mitteln finanzierte Aussichtsturm auf dem Heldrastein mit weit über 1000 Wanderfreunden feierlich eingeweiht. Der Aussichtsturm auf der Plesse wurde im Dezember 1891 von einem orkanartigen Sturm umgerissen und teilweisezerstört, er konnte erst im folgenden Jahr wieder repariert und aufgebaut werden.
Der Erste Weltkrieg brachte das Vereinsleben zum Erliegen. Unter W. Nobbe wurde die erste Generalversammlung am 24.08.1919 einberufen. Der Krieg hatte deutliche Spuren hinterlassen, konnten mangels Material kaum Wege markiert oder Reparaturarbeiten vorgenommen werden. Die Werratal-Zweigvereine erlebten nach dem Ersten Weltkrieg einen enormen Aufschwung, denn die jungen Männer, aus dem Krieg heimgekehrt, suchten Anschluss. So fällt bei den Jahresberichten aus dieser Zeit auf, dass zwar einerseits viele Wanderungen durchgeführt wurden, die Mitglieder sich aber auch sehr oft zu Vorträgen oder geselligen Veranstaltungen trafen. Der Heimatdichter und Vereinsmitglied W. Pippart gestaltete zahlreiche Theaterabende in der alten Turnhalle, in denen die Heimatliebe Ausdruck fand.
Waren es 1911 noch elf Vereine mit 700 Mitgliedern, so stieg die Zahl im Jahr 1919 auf 15 Zweigvereine mit insgesamt 1300 Mitgliedern. 1923 waren es 23 Vereine zwischen Creuzburg und Hann. Münden mit 3178 Mitgliedern. Der Verein öffnet sich für die Bevölkerung und wurde zum allseits beliebten Heimat- und Wanderverein, der sich unter Bürgermeister Karl Weyrich auf den Fremdenverkehr als einer zusätzlichen Verdienstmöglichkeit besann. Der Beckersberg wurde zum Hausberg der Wanfrieder Bürger.
Sonderausgabe vom „Werratal“
Ab 1924 gab es auch die vereinseigene Zeitung „Das Werratal“, herausgegeben von der WTV-Hauptleitung in Eschwege, mit einer Sonderausgabe des waldumkränzten Wanfrieds. Bis 1948 bringt das Protokollbuch nur noch die Notiz, dass W. Nobbe verzogen ist und Schriftführer Ernst Marwitz den Verein weiterführt. Der ersten öffentlichen Veranstaltung nach dem Zweiten Weltkrieg am 8. Juni 1948 folgt am 19.August desselben Jahres die Mitgliederversammlung, in der E. Marwitz als erster Vorsitzender bestätigt wird. Werbewirksam waren die Rosenmontagsvergnügen im alten Stadtparksaal, dann in allen Räumen des Wanfrieder Hofs, zuletzt nur noch im engsten Vereinsrahmen im Brauhaus. Einausdrucksstarkes Foto existiert aus dem Jahre 1952, einer Fahrt zum Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald. Mit Ernst Fleischhacker und Erich Brill wechseln die Vorsitzenden im Zwei- beziehungsweise Drei-Jahres-Takt. 1961 wird der Zahnarzt Franz Becker neuer Vorsitzender, im selben Jahr muss der Plesseturm wegen Baufälligkeit gesperrt werden.
Ein großes Erlebnis war die Sternwanderung des Bundes Kurhessischer Wanderverein, am 01.09.1964, nach Wanfried. Acht Jahre nach seiner Amtsübernahme und seines wirkungsreichen Handelns stirbt Franz Becker. Der Lehrer Ernst Holzapfel, seit 1952 Wegewart, wird Vorsitzender. Unter seiner Regie werden Markierungen der wichtigsten Wanderwege erneuert, eine neue Wanderkarte erstellt, große Wanderwegetafeln angebracht.
Die Festschrift berichtet noch von einem großen Wandertreffen am 29.08.1982: Die heimische Presse lud zum „2. Wandern mit der Werra-Rundschau“ ein, dieser Einladung folgten über 500 Wander- und Heimatfreunde, denn Ziel der rund zwölf km langen Strecke war der Wasserfall im Elfengrund. Zu Beginn des Jubiläumsjahrs 1983 hatte der Verein noch 96 Mitglieder und seine Hoffnung auf Grenzöffnung, die sich der Verein am Ende der Festschrift sehnlichst wünscht, hat sich in einem als historisch zu bezeichnenden Ereignis am 09.11.1989 erfüllt.
Anfang 2008 beruft die Hauptleitung Dr. Gernot Müller kommissarisch zum Vorsitzenden, der den Verein wieder beleben will.
Die Vorsitzenden des WTV–Zweigverein Wanfried seit seiner Gründung:
1883-1884 Bürgermeister Oscar Tellgmann
1884-1896 Kammerherr Carl Xaver von Scharfenberg
1896-1913 Die Herren H. Trieloff, W. Zumben, G. Steper, Pfarrer Hesse aus Treffurt und Frl. M. Öeding
1913-1923 Postmeister Wilhelm Nobbe
1923-1924 Justizsekretär Wilhelm Wiegand
1924-1928 Bürgermeister Karl Weyrich
1928-1937 Postmeister Wilhelm Nobbe
1937-1955 Fabrikant Ernst Marwitz
1955-1957 Bürgermeister Ernst Fleichhacker
1957-1961 Rektor Erich Brill
1961-1969 Zahnarzt Franz Becker
1969-2000 Konrektor Ernst Holzapfel
2000-2007 Friedel Holzapfel
seit 2008 Gernot Müller (kommissarisch)
1883-1884 Bürgermeister Oscar Tellgmann
1884-1896 Kammerherr Carl Xaver von Scharfenberg
1896-1913 Die Herren H. Trieloff, W. Zumben, G. Steper, Pfarrer Hesse aus Treffurt und Frl. M. Öeding
1913-1923 Postmeister Wilhelm Nobbe
1923-1924 Justizsekretär Wilhelm Wiegand
1924-1928 Bürgermeister Karl Weyrich
1928-1937 Postmeister Wilhelm Nobbe
1937-1955 Fabrikant Ernst Marwitz
1955-1957 Bürgermeister Ernst Fleichhacker
1957-1961 Rektor Erich Brill
1961-1969 Zahnarzt Franz Becker
1969-2000 Konrektor Ernst Holzapfel
2000-2007 Friedel Holzapfel
seit 2008 Gernot Müller (kommissarisch)
(entnommen aus: Walter Henze „100 Jahre Werratalverein –Zweigverein Wanfried. 1883-1993“)
Michaela Schur vom ZV Wanfried
